Heinrich-Grupe-Schule Grebenstein 

Kooperative Gesamtschule mit Ganztagsangebot im Profil 2

Vom 19. Bis zum 25. April fuhren die Heinrich-Grupe-Schule Grebenstein und die Gustav-Heinemann-Schule Hofgeismar zum ersten Mal zur Gedenkstättenfahrt nach Krakau in Polen. 52 Schülerinnen und Schüler sowie 6 Lehrkräfte machten sich auf den Weg, um die Geschichte Polens und Krakaus zu erleben, sich der Geschichte des Nationalsozialismus in Polen und des Holocausts in Auschwitz zu stellen, aber auch die Gegenwart unseres Nachbarstaates in der Begegnung mit polnischen Schülerinnen und Schülern zu erfahren.

Die Reise begann mit einer Übernachtfahrt von Sonntag auf Montag mit dem Bus, wobei der Schlafkomfort doch etwas eingeschränkt war. So kam die Gruppe leicht übernächtigt, aber glücklich in Krakau an und lernte gleich die wunderbare Altstadt und das alte jüdische Viertel mit der Alten Synagoge kennen, bevor die Zimmer im Hotel bezogen werden konnten.

Am Dienstag erlebten die Schüler am Vormittag die reiche Geschichte Polens/Polen-Litauens und von Krakau als alter Königsstadt in der Wawel-Kathedrale. Diese ist die Grablege der großen polnischen Könige und einiger berühmter Persönlichkeiten Polens. Am Nachmittag wurde die Geschichte Krakaus und Polens unter deutscher Besatzung in der historischen Oskar-Schindler-Fabrik sehr zugänglich und lebensnah dargestellt. Szenenorte des Films „Schindlers Liste“, welcher von allen Abgangsklassen am Holocaust-Gedenktag geschaut wurde, konnten wiedererkannt werden.

Ein besonderer Moment war die Begegnung mit der Zeitzeugin Anna Janowska Ciońćka, welche als Hanna Kleinberg 1936 in Krakau geboren wurde. Sie erzählte auf bedrückende Weise die Geschichte ihrer Familie unter der Herrschaft der Nationalsozialisten, welche jedoch uns als Menschen immer Mahnung und Aufforderung zugleich sein sollte, dass dies nie wieder geschehen dürfe. Wir sind als Schulen sehr dankbar, dass sich Frau Ciońćka für uns Zeit genommen hat und wir ihr zuhören durften.

So vorbereitet, fuhr die Gruppe am Mittwoch nach Oświęcim, um die Gedenkstätte Konzentrationslager Auschwitz I – Stammlager zu besuchen. Der Rundgang begann durch das Tor mit der berühmten und zynischen Aussage „Arbeit macht frei“.

Auf dem Gelände, welches fast vollständig original erhalten ist, sich zu bewegen, die Baracken mit den Pritschen, die Stacheldrahtzäune, die Wachtürme zu sehen, erzeugte ein eindrückliches und bedrückendes Gefühl. Hier geschah überall unfassbares Leid. Besonders berührten hier die ausgestellten Gegenstände (u.a. Koffer, Brillen, Haare, Schuhe) der ermordeten Menschen. Des Weiteren war die Geschichte der jüdischen Bevölkerung im Ausstellungshaus des Yad-Vashem-Museums, wo der Weg von einem reichhaltigen und guten jüdischen Leben, hin zur Entrechtung durch die Nationalsozialisten und den Lageralltag in den Konzentrationslagern sowie dem industriellen Massenmord dargestellt wurde, sehr berührend.

Die Eindrücke und der Fragen der Schülerinnen und Schüler wurden am Nachmittag ausführlich besprochen und reflektiert.

Anschließend wurde am Donnerstag die Gedenkstätte Konzentrationslager Auschwitz II – Birkenau besichtigt. Nachhaltig beeindruckten die Ausdehnung des Lagers, die Überfüllung und Situation in den Barracken, die Schicksale der Menschen und die Gaskammern und Krematorien.

Am Rand der Judenrampe innerhalb des Lagers zu stehen und auf dem selben Weg zu den Gaskammern zu gehen, den über 900.000 Juden direkt nach der Selektion nehmen mussten, um anschließend sich zu entkleiden, in den Gaskammern bestialisch ermordet und anschließend in den Kremationsöfen verbrannt zu werden, entzieht sich dem Begreiflichen – selbst wenn man davor steht. Dazu ist der Satz des Holocaustüberlebenden Primo Levi prägend: „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen: Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“

Am Freitag stand zum Abschluss die Gegenwart im Vordergrund, als die beiden Schulen auf eine besonders herzliche Weise in der Kleinstadt Kalety begrüßt wurden. Dabei stand der Besuch mit einer Schulführung und dem gemeinsamen Tanzen mit den polnischen Schülerinnen und Schülern in der Sporthalle im Zentrum. Anschließend wurden wir zu einem gemeinsamen Mittagessen eingeladen und spazierten noch im wunderschönen Erholungsgebiet der Stadt um den Grünen See. Hier war es spannend und bereichernd, gleichaltrigen Schülern zu begegnen, sich auszutauschen und die besondere Gastfreundschaft unseres Nachbarlandes genießen zu dürfen.

Am Samstag kam die Gruppe etwas erschöpft, aber mit vielen wichtigen Erfahrungen und Eindrücken wieder, die sie sicher nicht mehr vergessen werden. Wir danken dabei als Schulgemeinden ausdrücklich der Sanddorf-Stiftung, der Axel-Springer-Stiftung und der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung für ihre großzügige Unterstützung. Sie haben erheblich dazu beigetragen, diese Fahrt in dieser Form zu ermöglichen.