Austausch! Zwei Wochen raus aus der Schule! Italien! Sarsina!? In einer mir noch fremden Familie übernachten! Freunde in einem mir noch fremden Land finden?
Was mag den Schülerinnen und Schülern alles durch den Kopf gegangen sein, als der Zeitpunkt des Austauschs mit der Schule der Grebensteiner Partnerstadt Sarsina (in der Emilia Romagna am Übergang der Poebene zum Apennin, westlich von Rimini,/San Marino Italien) immer näher kam?
Der erste Kontakt kam über die einander zugesandten Steckbriefe zu Stande (Kommunikationssprache Englisch). Die kontaktfreudigeren unter den Schülerinnen hatten sich recht schnell mit den italienischen Mädchen geschrieben und sehr schnell waren die Schülerinnentandems gefunden. Bei den Jungen dauerte das ganze etwas länger und fünf Schüler konnten bzw. wollten auch gar nicht in eine Familie in Italien, sondern blieben mit den beiden betreuenden Lehrern, Frau Seewald und Herrn Haag, in einem Bed and Breakfast (B&B).
Am Montag, dem 10.03., ging es dann mit dem Zug los: Mit drei Umstiegen (in München, Verona, Bologna) kamen wir 13 Stunden später in Cesena am Bahnhof an und wurden dort herzlich von unseren Gastgebern empfangen und „nach Hause“ gebracht.
Der Dienstagmorgen begann mit einer Begrüßung durch den Bürgermeister, ein Mitglied des Partnerschaftsvereins sowie die den Austausch organisierende Kollegin, die schöne Worte für den Austausch fand: Erinnerungen kreieren, in Beziehung treten, unvergessliche Erlebnisse schaffen, neugierig auf einander sein. Danach spielten die beiden ital. Klassen drei einstudierte Songs, wir sangen mit, wurden eingeladen, den Cupsong mitzuspielen und hatten unser erstes gemeinsames Erlebniss mit und durch die Musik. Wir bekamen anschließend noch eine Führung durch Sarsina, eine schon in der Römerzeit durch den Handelsweg zwischen Ravenna und Rom und ihre durch Holzreichtum wohlhabende Stadt, erfuhren einiges zur Geschichte der Stadt, sahen gut erhaltene Grabmäler, die Stadtmauer, Mosaik-, Straßen- und Hausreste, Teile des Forums und des frisch ausgegrabenen Tempels, dem nun der Neubau der Sporthalle zum Opfer fiel. Der Nachmittag und Abend wurden zum Teil gemeinsam auf den Plätzen (Piazza) der Stadt beim Volleyball und/oder individuell in den Familien verbracht.

Mittwochmorgen fuhren wir recht früh einmal fast von der Ostküste bis auf die andere Seite an die Westküste nach Pisa (~400 km), den Geburtsort Galileo Galileis, und durften den berühmten auf Sand gebauten und daher „Schiefen Turm von Pisa“ bestaunen. Sehr schön waren auch der Dom und die recht große, gemessen an anderen, riesige Taufkapelle mit ihrer fantastischen Akustik. Auch der Gang durch die Stadt war interessant, man merkt der Stadt sehr deutlich ihren touristischen Charakter an: überall gab es Stände mit Souvenirs oder Essensstände und Restaurants. Funfakt: In Pisa gibt es neben einer Eliteuniversität noch zwei weitere Universitäten und man kann nahezu jedes Fach dort studieren, nur nicht Architektur. Wer will schon einen Architekten aus einer Stadt, in der man nicht einmal einen einfachen Glockenturm und auch nicht den Dom gerade bauen kann?
Am Donnerstag waren wir in Projekte eingebunden, die jede der drei Gruppen in je zwei Stunden durchlief: Volleyball, Piadinaherstellung (die regionale Spezialität: eine Art Pfannkuchen, der mit Schweineschmalz gebacken wird und weil geschmacksneutral sowohl mit süßen als auch mit salzigen Zutaten gegessen wird) und ein Bilderrahmen wurde selbst gestaltet, in den später ein Gruppenbild aus Pisa eingeklebt wurde.

Am Freitag ging es etwas später in das nahe Ravenna (~65 km) mit seinen acht (!) UNESCO-Weltkulturerbestätten, wovon wir vier mit einer Führung besichtigt haben: Sant` Apollinare Nuovo, die Taufkapelle der Neonianer, den Dom San Vitale sowie das Grabmal der Galla Placidia. Sie gehören alle zu den frühesten christlichen Bauwerken der Welt und alle sind mit besonders schönen und kostbaren Wand- und Deckenmosaiken ausgestattet. Wir haben erfahren, dass auch in der Kunst durch Veränderungen an den Mosaiken Propaganda für sich selbst betrieben wurde und der Gegner oder Vorgänger weichen musste. Da das Wetter in Ravenna eher bescheiden war, – überhaupt regnete es in der Woche in Italien sehr viel -, fuhren wir am Nachmittag noch ein bisschen weiter nach Süden und schauten uns den von Leonardo da Vinci gestalteten Hafen von Cesenatico an und verbrachten ein paar Minuten dort am Strand, ehe es wieder zurück nach Sarsina ging.


Der Samstag wurde in Kleingruppen oder individuell in Sarsina, Cesena oder an der Küste verbracht und war der erste Tag, an dem wir etwas Sonne gesehen haben in dieser Woche. Und dann kam auch schon der Abschiedsabend mit einer Präsentation der Ergebnisse der Projekte, einigen Fotoimpressionen, einem von den Eltern gestalteten leckeren Abendessen mit viel Piadina und unserem herzlichen Dank mit einem Blümchen an unsere Gastgeber*innen und die ital. Kolleginnen.
Der Sonntag wurde zum Fahrtag zwischen Sarsina und Grebenstein. Wieder 13 Stunden im Zug, aber mit zwei Gruppen, da unsere ital. Gastgeber nun zu unseren Gästen in Grebenstein und Calden wurden.
Parallel zum ersten Tag in Sarsina begrüßten auch wir an unserem ersten Tag in der Heimat unsere Gäste mit einem Besuch beim Bürgermeister und zeigten ihnen unsere Schule sowie Grebenstein und konnten endlich wieder die Sonne auf dem Burgberg mit dem Blick über Grebenstein und Umgebung genießen. Der Nachmittag und Abend wurde nun unsererseits individuell in Grebenstein, im Tierpark Sababurg oder andernorts verbracht.

Am Dienstag nutzen wir ein Angebot des Heinz-Nixdorf-Museums für Informationstechnologie (das größte der Welt!) und besuchten besagtes Museum in Paderborn, sahen die ersten Rechenmaschinen (abacus) der Römer oder erste komplexere Rechenmaschinen (Leibnitz) bis hin zur ENIAC, den ersten Atari- und Apple-Computern und konnten uns mit Robotern unterhalten, auch erste eigene Programierungen mit chinesischen Winkekatzen durchführen. Auch im Ahorn-Sportpark durften wir uns sportlich betätigen und schwangen eifrig den Squashschläger.
Den Mittwoch fuhren wir nach Frankfurt, um uns vom Eisernen Steg „Mainhattan“ anzusehen, liefen über den Römer und die Paulskirche (erstes deutsches Parlament) zur Zeil (Shopping!). der Höhepunkt aber war klar der Besuch im Senkenbergmuseum mit einer guten Führung und noch etwas Zeit zur Eigenerkundung, bevor es dann wegen einer defekten Weiche auf eine vier(!)stündige Rückreise nach Kassel ging, wo uns dann die gut organisierten Eltern netter- und vor allem dankenswerterweise um 22.00 Uhr vom Bahnhof abholten.


Donnerstag ging es zum „Heimspiel“ nach Kassel hinauf zum Herkules, hinunter durch den Bergpark Wilhelmshöhe, mit einer Führung durch das gleichnamige Schloss von der Antikensammlung bis zu den Alten Meistern (Rembrandt, Rubens, Frans Hals, Albrecht Dürer, Lucas Cranach d. Ältere), in die Stadt, wo die meisten auch noch den Nachmittag mit ihren Gästen verbrachten.

Bei uns war dann zum Abschluss der Freitag der Projekttag. Alle wählten sich entweder in das Projekt „Kochen“ oder „Programmieren mit LEGO“ oder „Holzwerkstatt“ ein, produzierten dort leckeres Essen, lenkbare Autos oder Noten und Notenschlüssel für unsere neue Klangwand. Diese Produkte wurden dann abends auf unserem gemeinsamen Abschlussabend präsentiert bzw. das Essen zusammen mit den von den Eltern zubereiteten Gerichten verspeist. Eine PowerPointPräsentation führte uns dann die zwei intensiven Wochen noch einmal vor Augen, die gute Chancen bereithielten für die oben angesprochenen zu kreierenden Erinnerungen, für unvergessliche Erlebnisse, für die Möglichkeiten, neue Freunde zu gewinnen und ein schönes kulturelles Programm zu genießen.

So gingen dann mit der Abfahrt unserer Gäste am Samstagmorgen zwei besondere Wochen im Leben der teilnehmenden Schüler und Schülerinnen zu Ende, von der wir hoffen, dass sie lohnend waren und sich jeder persönlich weiterentwickeln konnte.