„Die Liebe ist ein Spiel, das in der Kindheit beginnt und in der Dunkelheit endet.“ Dieses Zitat von William Shakespeare selbst könnte nicht passender sein, um das Theaterstück, das die Klasse G9a am 15. Februar 2026 im Schauspielhaus Kassel erleben durfte, zu umreißen. Die Schülerinnen und Schüler hatten die Gelegenheit, eines der bedeutendsten Dramen der Weltliteratur zu erleben: „King Lear“.

In diesem zeitlosen Werk des großen Dichters und Dramatikers William Shakespeare wird die tragische Geschichte des alternden Königs Lear erzählt, der beschließt, sein Reich unter seinen drei Töchtern aufzuteilen. Doch die vermeintliche Liebe, die ihm von Regan und Goneril entgegengebracht wird, entpuppt sich als trügerisch. Cordelia, die jüngste Tochter, verweigert sich dem Wettlauf um die lauteste Liebeserklärung und spricht die schlichte Wahrheit aus: „Ich liebe dich, wie es eine Tochter tun sollte.“ Diese ehrliche Antwort führt zu einem verhängnisvollen Bruch, der das Drama in einen Strudel aus Chaos, Gewalt und Wahnsinn stürzt.
Die Inszenierung, die die Klasse G9a erlebte, war modern und innovativ: Statt Ritter und Hofstaat prägten Follower und soziale Medien die Szenerie, was den Schülerinnen und Schülern half, die komplexe Handlung besser nachzuvollziehen. Die Verwendung zeitgenössischer Elemente ermöglichte es, die universellen Themen von Macht, Verrat und der Suche nach wahrer Liebe in einem neuen Licht zu betrachten. Besonders beeindruckt waren die Lernenden von der schauspielerischen Leistung der Darstellenden. Die Fähigkeit, den umfangreichen Text auswendig zu lernen und mit Emotionen zu füllen, hinterließ einen bleibenden Eindruck.
Ein weiteres Highlight des Theaterbesuchs, der im Englischunterricht der Klasse vor- und nachbereitet wurde, war die Reflexion des Theaterstücks im Unterricht mit der Theaterpädagogin des Staatstheaters Kassel, Sandra van Westen, die für einen Begleitworkshop gewonnen werden konnte. Während ihres Besuches in der Klasse wurden theaterübliche Übungen durchgeführt, und die Schülerinnen und Schüler hatten die Möglichkeit, ihre Eindrücke und Gedanken zur besuchten Theateraufführung zu teilen. Besonders spannend war die Diskussion über die symbolische Verwendung der Farbe Gelb, die im Stück für Blut und Verrat steht. Standbilder wurden gebaut, um sich die Figurenkonstellation zu erschließen und die Komplexität der Charaktere kreativ zu verdeutlichen.



Die Klasse G9a kehrte mit neuen Einsichten in die menschliche Natur und die oft schmerzhaften Wahrheiten über Liebe und Loyalität zurück, die sie auch auf die aktuelle politische Situation bezogen. So spiegelt das Drama die Gefahren von Machtmissbrauch und den Verlust von Menschlichkeit wider. Besonders wichtig ist die Warnung, sich nicht von schönen Worten blenden zu lassen.
Text: Nina Gilfert






